China, ein Land der unmöglichen Möglichkeiten.

Dieses Thema im Forum 'Leben in China, chinesische Kultur' wurde von Lifthrasir gestartet, 13 Juli 2011.

  1. Lifthrasir Member

    Umwelt und Wirtschaft

    Wenn sie nach China, ganz speziell nach Südchina in die Guangdong Provinz kommen wird ihnen die Umwelt auffallen. Das Grün ist nicht Grün sondern Grau, auf den Pflanzen legt sich eine Schmutzschicht ab und sie werden sich wundern dass diese Lebewesen trotzdem wachsen.
    In den Flüssen fließt „Wasser“ dahin, das diesen Namen kaum noch verdient. Da die Abwässer ungeklärt eingeleitet werden sind die Flüsse oft schwarz mit einer stinkenden Schicht überzogen. in der zusätzlich einige Flaschenpost herum dümpelt. Die Fische, die in dieser Brühe dahinvegetieren werden teilweise gefangen und verspeist. Genauso wie das Wasser zum Bewässern der Gemüsefelder dient, diesen Umstand können sie manchmal riechen und schmecken, wenn sie dieses Gemüse dann auf dem Tisch haben.
    Innerhalb der Städte finden sie keinen Kaugummirest auf dem Boden, außerhalb der Stadtzentren stolpern sie dafür über den Müll, der unachtsam aus dem Autofenster oder der Haustür geworfen wird.
    Einerseits wird die Natur geachtet, Bäume werden in Baugerüste integriert oder um einen alten Baum wird eine Strasse herumgebaut, anstatt den Baum zu fällen. Auf der anderen Seite wird die Umwelt durch Abfälle und Abwässer der Art verschmutzt, dass es zum Himmel stinkt!
    Auch hier trifft die Tradition auf die Moderne, die Wirtschaft entwickelt sich rasend schnell – auf Kosten der Umwelt! Zurzeit ist es um die Natur ähnlich beschert, wie in den fünfziger und sechziger Jahren in Deutschland, ich hoffe nur die Wandlung dauert nicht allzu lange!

    Ein Umstand der sich positiv auf die Verbesserung der Umwelt auswirkt ist die Staatsform der VR China.
    Das Volk ist es gewohnt, dass es von einer Macht geführt wird und alle Belange des Volkes von einer Obrigkeit entschieden werden. So ist es möglich das Land in einer kommunistischen Staatsform, mit kapitalistischem Charakter, monarchistisch zu führen – Queen Elisabeth würde vor Freude Purzelbäume schlagen!
    In diesem Land ist es möglich solche Projekte wie das des Drei-Schluchten Staudammes durchzusetzen, genauso wie es möglich ist ein ständiges Fahrverbot für motorbetriebene Zweiräder in einer Großstadt zu erwirken um der Smogglocke dadurch vielleicht doch noch Herr zu werden.
    Es gibt Dinge, die lassen sich in einer Demokratie nicht bewältigen, da sie zerredet werden wo Handlungsbedarf besteht. Im Land des Lächelns wird hinter dem Lächeln gehandelt, ob zum Guten oder Schlechten – wer mag dieses immer recht beurteilen?
  2. Lifthrasir Member

    Einklang - Ausklang

    Chinesen schaffen es in jedem Moment uns angenehm zu überraschen, wie sie es in gleichem Maße schaffen uns zu verärgern – aber warum es so ist, verstehen wir nicht und die Chinesen auch nicht, sind sie doch nur so wie sie sind!
    Ja, wie sind die Chinesen denn jetzt wirklich? Ich glaube das weiß die Bevölkerung selbst nicht so recht, sie ist einfach zu groß und facettenreich.
    Mein Großvater hatte immer ein Sprichwort auf den Lippen, eines davon lautete, „Du kannst alt werden wie eine Kuh, du lernst immer noch dazu!“

    So ist es auch mit den Menschen des Lächelns, sie können der Meinung sein sie zu kennen – wie gesagt, sie sind immer für eine Überraschung gut! Daher ist es schwer alles zu beschreiben, jeder Gast wird seine eigenen Erfahrungen machen. Ich habe Bücher über China gelesen, denen ich nicht so zustimmen kann. Der Umstand des Nicht-Wider-Erkennen liegt bestimmt nicht an einer falschen Auffassung des Autors, sondern vielmehr an der unvorstellbaren Anzahl von Individuen, die sich als ein Volk bezeichnen!
    Eines ist auf jeden Fall klar – der Chinese ist sehr friedfertig! Vom Boden der VR China ist noch nie in der Geschichte eine aggressive Handlung aus gegangen. Kung Fu wird von den Shaolin Mönchen nur zur Übung für Konzentration und Beherrschung des Körpers gelehrt, der Kampfstil dient Verteidigungszwecken und keinen Kampfhandlungen.
    Das Volk wurde immer wieder angegriffen, hat aber selber nie kriegerische Handlungen begonnen. Viele Kriege werden aus Habgier und Neid begonnen, beides ist dem Chinesen fremd. Das Land scheint groß zu sein, aber ziehen sie die unbewohnbaren Bergregionen, die Wüste und alle inländischen Wasserflächen ab, multiplizieren sie dies mit der Zahl der Bürger, es bleibt unter dem Strich nicht mehr viel Platz zum Leben. Für die Chinesen ist dies ein Grund Hochhäuser in großen Mengen zu bauen, für andere Völker oder Staaten wäre es ein Grund einen Krieg zu beginnen, um mehr Land zu bekommen!

    Nichts desto trotz sind die Chinesen ein tapferes, geduldiges und stolzes Volk, konnten sie ihre viele tausend Jahre alte Kultur erhalten – ein wirklicher Grund stolz zu sein! Verletzten sie einen Chinesen in seinem Stolz, gleicht das einem Angriff und er wird sich verteidigen, dann wird sein Lächeln in einen Kampfschrei übergehen, dem ich nicht beiwohnen möchte. Stolz und Glück haben einen hohen Stellenwert und sind Teil der Kultur.
    Respekt und Geduld sind neben Fleiß – und Essen der Tagesinhalt der Bürger. Sie arbeiten hart und essen gut, leider gibt es immer mehr Fastfoodketten. In Hong Kong können sie zum Beispiel die Anzeichen des ungesunden Leben, des Nichtbeachten von Yin und Yang, an der Leibesfülle der Menschen ablesen.

    Essen ist auch ein Teil der Kultur, wird es nicht nur zur Erhaltung der Arbeitskraft gesehen, sondern ist immer eine kultische Handlung des Beisammenseins. Die Speisen sind auf geschichtliche Hintergründe und Umstände zurück zu führen, die meistens mit der Armut der Menschen zu tun hat.
    In einem Spezialitäten Restaurant bestellten meine Freunde ein Gericht mit dem Namen „Ein Topf“, dabei handelte es sich nicht um einen Eintopf wie wir ihn kennen. In diesem einen Topf wurde eine ganze Mahlzeit zubereitet, neben Kartoffeln und Gemüse, die in einer Soße gegart wurden, klebten am Rand des Topfes Maisfladen, die ähnlich Brötchen, zur selben Zeit wie das Gericht kochte, gebacken wurden. Eine Speise die ihren Ursprung im Norden Chinas hat und früher, wie bei uns der Hering, ein Arme-Leute-Essen war, jedoch diesen Rang heute verloren hat.

    Chinesen erreichen mit ihrer Beharrlichkeit auf kurz oder lang ihr Ziel, auch wenn es nicht die Ziele anderer sind. Ihre Geduld die einstweilen als Starrköpfigkeit gedeutet wird führt sie, wie die Geschichte des Ming Feng bezeugt, zum Erfolg. In ihrer für uns erscheinbaren primitiven Art schaffen sie es mit ihrem Erfindungsgeist und Improvisationsgabe unvorstellbare Leistungen zu bewerkstelligen, ohne hochmütig zu werden. Verwechseln sie in diesem Zusammenhang Hochmut nicht mit Stolz!
    Viele Bauten, darunter als das bekannteste die große Mauer zu nennen, zeugen von den erstaunlichen Leistungen des einen Volkes, die uns immer wieder einen Augenöffner präsentieren!

    Im Allgemeinen ist der Chinese sehr gastfreundlich und überaus freundlich auch uns Langnasen gegenüber! Akzeptieren sie ihn, werden sie ein willkommener Gast sein, respektieren sie ihn, werden sie ein stets willkommener Gast sein, lieben sie ihn, werden sie ihm Bruder oder Schwester werden!

    Viele großen Kulturen sind verschwunden oder untergegangen, schauen wir zu den Mayas, zu den Ägyptern oder zu den Azteken, selbst im römischen und griechischen Reich ist es nicht mehr wie es einst war!
    Die Chinesen haben es trotz Mao Zedong geschafft die Lehren des Kong Fu Zi zu erhalten, sie haben es trotzdem geschafft ihre Geschichten und Mythen im Alltag zu verankern. Kein KFC, Benz und Uncle Bens Reis haben die Chinesen mit ihrer Tradition brechen lassen, die als die älteste gelebte Kultur gilt. Sie bezahlen für die 88 weiterhin viel Geld und ein Hufeisen gehört nicht anstelle von „Fu“ an die Tür. Ein Drache verheißt Glück und nicht Untergang. Yin und Yang gehören zum Essen, wie in Amerika der Ketchup. Eine Ausstattung zur Kung Fu Teezeremonie gehört in jeden Haushalt, wie der Fernseher. Guang Gong werden weiterhin Räucherstäbchen zuteil, wie bei uns das Kreuz in die Kirche gehört.

    Respektieren wir den Menschen, seine Sitten und seine Bedürfnisse, schimpfen wir nicht über die Eigenheiten der Leute, kennen wir ihre Gebräuche und Gesten, ist ein zusammen Arbeiten, ein zusammen Leben ohne Probleme möglich – Mei Wenti!
    Können sie sich im chinesischen Alltag zurecht finden, sind sie mit den Verhaltensmustern vertraut, können sie Freunde gewinnen und erkennen, das Lächeln der Chinesen ist nicht geheimnisvoll, sondern liebenswert!
    Sind wir doch Alle aus dem gleichen Lehm gemacht, haben zwei Augen, eine Nase und einen Mund. Haben wir doch Alle zwei Hände, zwei Füße und das Herz sitzt am rechten Fleck!
    Wenn Kinder nach ihrer Mutter rufen, ertönt ebenso ein „Mama“ wie in heimischen Gefilden – also so unterschiedlich sind wir doch nicht!
    Bedanken sie sich mit einer Geste, bei der sie die rechte Hand zur Faust ballen und diese mit der linken Hand umschließen, dabei werden beide Daumen nach innen geführt. Diese Geste ist eine Huldigung an Alle und mit den eingezogenen Daumen besagen sie „ich bin nichts dagegen“! Keine Abwertung ihrer selbst, sondern eine bescheidene Geste, die ihr Gegenüber aufwertet!

    Chinesen sind ehrgeizig, stolz, und bescheiden, ihre Gesten durchziehen den Alltag und sagen vielmehr als Worte, sie sind Bestandteil der Kultur, so wie diese Bestandteil des chinesischen Lebens ist – nichts ist zu trennen, alles ist Eins im Einklang mit Yin und Yang und der Mitte des Selbst!
  3. Lifthrasir Member

    Danksagung

    Als erstes möchte ich mich bei meinen Lesern bedanken und hoffe ihnen auf unterhaltsame Weise Einblicke in die chinesische Mentalität, Kultur und Lebensweise gegeben zu haben. Beim Schreiben des Buches habe ich festgestellt, das sich einige Begebenheiten wiederholen, dieser Umstand lässt sich nicht vermeiden, da sie in der chinesischen Mentalität die Dinge wirklich nicht von einander trennen können, alles gehört zusammen und ist Eins – ein Land und ein Volk!
    In punkto Arbeit bedanke ich mich bei meinem Chef, für das Angebot des Auslandeinsatzes, dadurch konnte und kann ich zu Einblicken in das Leben eines Volkes gelangen, das für mich als so weit entfernt galt, um bis dato kein Interesse zu hegen. Aber ich musste feststellen das China näher ist als ich glaubte.
    Mein besonderer Dank gilt meinen chinesischen Brüdern, Li Lee und Huang Guofeng, sie haben mir mit ihrer Geduld und Weisheit, ihre Kultur und Lebensweise, wie kein anderer näher gebracht und haben mich daran teilhaben lassen! Durch die Integration in ihre Welt ist es mir möglich China zu erleben, wie es als Tourist wohl nie erlebt werden kann.
    Ich danke auch einem Volk, ein Volk das nicht nur meinen Horizont erweiterte, es lehrte mich auch Vorurteile, alte Sichtweisen und Erfahrungen, über Bord zu werfen um meinen Geist für neue Dinge zu öffnen.

    Konfuzius sagte. „Eine leere Schale ist besser als eine volle Schale!“

    An dieser Stelle möchte ich heute einen sonnigen Gruß aus dem Land des Lächeln in meine Heimat senden, die ich in zwei Tagen wieder für kurze Zeit besuchen darf. Ich wünsche allen Lesern Vergnügen beim Lesen der Beiträge und möchte darauf hinweisen, dass ich dieses Buch schon vor 3 Jahren geschrieben habe. Seitdem hat sich einiges schon wieder verändert - und einiges nicht.

    Über Kritiken und Anregungen zu meinem Buch würde ich mich sehr freuen und sage jetzt schon Dank!

    Einen besonderen Gruß sende ich an Walter - Danke für das schöne Forum!

    Lifthrasir
    Walter gefällt dies.

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